Am vergangenen Wochenende durften wir Caro auf einen Kurzbesuch willkommen heissen. Das herrliche Wetter mit weit über 20 Grad und Sonnenschein war die perfekte Einladung für gemütliche Spaziergänge durch Durrës, unterbrochen durch regelmässige Energiestopps in den unzähligen Strassenkaffees und Bars der Stadt. Am Sonntag ging es dann noch auf Entdeckungstour nach Tirana. Nach inzwischen vielen geschäftlichen Terminen und einigen abendlichen Besuchen war es am Sonntag auch für Stephan das erste Mal, bei welchem er richtig Zeit fand, diese pulsierende Metropole etwas genauer zu erkunden und zu geniessen. Das vielfältige und lebendige Tirana ist definitiv ein eigener Blogbeitrag wert, allerdings zu einem späteren Zeitpunkt, denn die von Veronika gekochte frische Gemüsesuppe steht nämlich bereit auf dem Tisch. Für den Moment bedanken wir uns herzlich bei Caro für ihren Besuch, ihr Interesse und die Freundschaft. Wir haben die gemütlichen Stunden sehr genossen. Danke!
Dienstag, 19. November 2013
besuch aus der schweiz ...
Am vergangenen Wochenende durften wir Caro auf einen Kurzbesuch willkommen heissen. Das herrliche Wetter mit weit über 20 Grad und Sonnenschein war die perfekte Einladung für gemütliche Spaziergänge durch Durrës, unterbrochen durch regelmässige Energiestopps in den unzähligen Strassenkaffees und Bars der Stadt. Am Sonntag ging es dann noch auf Entdeckungstour nach Tirana. Nach inzwischen vielen geschäftlichen Terminen und einigen abendlichen Besuchen war es am Sonntag auch für Stephan das erste Mal, bei welchem er richtig Zeit fand, diese pulsierende Metropole etwas genauer zu erkunden und zu geniessen. Das vielfältige und lebendige Tirana ist definitiv ein eigener Blogbeitrag wert, allerdings zu einem späteren Zeitpunkt, denn die von Veronika gekochte frische Gemüsesuppe steht nämlich bereit auf dem Tisch. Für den Moment bedanken wir uns herzlich bei Caro für ihren Besuch, ihr Interesse und die Freundschaft. Wir haben die gemütlichen Stunden sehr genossen. Danke!
Autor:
Stephan
Destination:
albanien
Mittwoch, 13. November 2013
ein dorf sorgt für furore ...
Häufig trifft man im albanischen Alltag und insbesondere im Berufsleben auf eine unglaubliche Hierarchiegläubigkeit. Der Chef weiss alles, was der Chef sagt stimmt immer und genau so muss es auch gemacht werden. Oft wird aus diesem Grund auch einfach darauf gewartet. bis der Chef kund tut, wo es lang geht. Auch Regeln und klare Strukturen werden sehr geschätzt. Irgendwie schützt das offenbar davor, selber entscheiden zu müssen. Die 40 Jahre Diktatur und Isolation haben da tiefe Spuren hinterlassen. Im Job ist dieses Denken nicht immer ganz einfach für uns. Wir sind uns kooperative und partizipative Führung gewohnt und bei uns stehen Eigenschaften wie Initiative und Eigenverantwortung hoch auf der Anforderungsliste der Chefs.
Und immer dort wo Beziehungen statt auf Zutrauen und Vertrauen auf Hierarchie und Regeln aufgebaut sind, lässt auch die Kontrolle nicht lange auf sich warten. Als hätten die Albaner nicht lange genug in einem Überwachungsstaat gelebt, ist es nach wie vor (oder vielleicht auch erst wieder) absolut legitim, wenn zum Beispiel eine Schuldirektorin Videokameras in ihren Schulzimmern installieren lässt, um dann den ordnungsgemässen Schulbetrieb bequem in ihrem Direktorensessel sitzend auf dem Bildschirm überwachen zu können. Und das Ganze wird dann noch mit Stolz als technische Errungenschaft und Fortschritt präsentiert. Na ja, in der Schweiz würde keine einzige Lehrkraft in einem solchen Umfeld arbeiten und auch sämtliche Schüler und Schülerinnen – Eltern inklusive – würden Sturm laufen. Ganze geschweige von unserem Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten, dem ob solchen Praktiken ein akuter Herzstillstand drohen würde. Hier werden solche Kontrollen durch Vorgesetzte oder Autoritäten in der Regel aber (noch) regungslos akzeptiert oder sogar als normal empfangen.
Hierarchie, Regeln und Gehorsam scheinen hier also wichtig zu sein. Wirft man dann aber einen Blick auf das Baurecht, den Verkehr oder das Arbeitsrecht, dann scheinen Regeln und deren Einhaltung völlig inexistent zu sein. Ohne jegliche Bewilligungen, ohne Zonenkonzept und oft auch ohne rechtlich gültigen Anspruch auf den Boden wird nach Belieben gebaut. Im Verkehr sind Weitsicht, Aufmerksamkeit, Geduld und Toleranz die viel besseren Ratgeber als ein Gesetz zur Vortrittsregelung (auch wenn es das auf dem Papier sicher gibt). Und als Arbeitnehmer schliesslich tut man halt einfach gut daran, den Chef und seine Position uneingeschränkt zu akzeptieren. Andernfalls ist man unter Umständen seinen Job relativ rasch los, denn Arbeitsverträge existieren häufig keine und auf der Strasse wartet bereits mindestens ein Dutzend motivierte Nachfolger für den Job.
Albanien ist in einigen Bereichen wirklich ein Land voller Gegensätze und Extreme. Hier Struktur und Ordnung und da gleich nebenan, Chaos und Willkür. Ich will diese Beobachtung persönlich gar nicht werten. Und ausserdem gibt es auch ganz viele Bereiche, die hier absolut positiv und normal funktionieren, wenn man als Norm die Schweiz zum Vergleich heranzieht. Bekanntlich ist ja alles eine Frage des Referenzpunkts.
Nein, eigentlich habe ich ja einfach nach einer Einleitung für eine andere Geschichte gesucht. Eine, die letztlich auch mit Regeln und Gesetzen zu tun hat und eine, die ich in dieser Form hier nicht erwartet hätte. Doch schön der Reihe nach. Neulich hat mich eine Mail eines Freundes aus der Schweiz erreicht (Danke Jürg). Den Worten "Ich habe Erstaunliches gelesen" war ein Zeitungsartikel aus der Schweizer Presse angefügt, in welchem von der gesamten Dorfbevölkerung eines albanischen Dorfes berichtet wird, die nach der Arbeit auf Cannabisfelder allesamt in ärztliche Hilfe gebracht werden mussten. Was für eine Geschichte aus der Rubrik Gosse, habe ich mir gedacht. Klar ist das Kiffen hier ab und zu ein Thema, vor allem bei Studenten. Aber noch nie hätte ich jemanden öffentlich dabei beobachtet, geschweige denn von verkaufswilligen Typen angesprochen worden, wie es beim Gang durch einen Bahnhof in der Schweiz Alltag ist.
Natürlich habe ich meine albanischen Arbeitskollegen (und die sind praktisch allesamt ü50) gleich mit dem Zeitungsartikel konfrontiert. Eigentlich wollte ich etwas provozieren, ein wenig an den Strukturen rütteln. Zurück kam überraschenderweise nur Zustimmung, herzliche Lacher und die ungläubige Blicke, weil ich diese Story und deren Hintergründe noch nicht kannte. Freundlich klärte man mich in der Folge über diese ominöse Ortschaft Lazarat auf.
Lazarat ist ein kleines Dorf im Süden von Albanien. Deren Dorfbewohner hatten nach dem Zerfall der kommunistischen Diktatur die Einführung der freien Marktwirtschaft auf ihre eigene Art interpretiert und den Anbau von Hanf als Businessmodell gewählt. Und ganz offenbar war die Businessidee gut, der Markt (wohl eher im Ausland) vorhanden und die Geschäfte florierten. Die Zuwanderung an Arbeitskräften nahm zu und die Produktion wurde gesteigert. Doch weil es auch hier Gesetzte gibt, entsandte die Regierung eines Tages ihre Ordnungshüter, um wieder Zucht und Ordnung herzustellen. Doch die Dorfbewohner hatten bereits vorgesorgt und mit dem neu erlangten Reichtum ihre eigenen Ordnungshüter angestellt. Unverrichteter Dinge zog die Polizei also von Dannen. Auch der Versuch der italienischen Polizei, die Grösse der Anbaufläche mit einem Helikopter zu erkunden, musste aufgrund des Beschusses abgebrochen werden. Lazarat wurde zum Politikum, aber seit Jahren ist es keiner Regierung gelungen, das inzwischen quasi autonome Dorf zu bändigen. Die Polizei traut sich bis heute nicht hin. Wer etwas im Internet recherchiert, wird auch einige Stories dazu finden. Besonders witzig ist die auf youtube filmisch festgehaltene Fahrt zweier durchgeknallter Holländer mit lokal gekauften Mopeds nach Lazarat. Ungläubig geben sie zu Protokoll, dass sogar die örtliche Schule neben einem Hanffeld stehe. Ich verzichte auf die Verlinkung dieser Beiträge, denn ich will schliesslich mit meinem Blog nicht plötzlich der Zensur zum Opfer fallen. Auf einen Link will ich aber nicht verzichten, denn selbst das Schweizer Radio hat im vergangenen August über Lazarat berichtet: Bergdorf als Drogenhochburg in Südalbanien.
Grundsätzlich ist die Geschichte ja weder lustig, noch gesund. Trotzdem ist sie irgendwie frisch und witzig, weil sie eben diese Gegensätze deutlich aufzeigt, die Albanien so spannend und irgendwie auch sympathisch machen. Angesprochen auf das Dorf Lazarat bemerkt man auch bei vielen Albanern eine gewisse Sympathie. Nicht wegen dem Cannabis, sondern vielmehr wegen der Unverfrorenheit dieses Dorfes gegenüber Hierarchien, Regeln und Gesetzen und der Unfähigkeit der Autoritäten, diese Regeln und Gesetze durchzusetzen.
Ach ja, do not panic! Lazarat steht nicht auf unserer Wunschliste von Ausflugszielen in Albanien :-)
Und immer dort wo Beziehungen statt auf Zutrauen und Vertrauen auf Hierarchie und Regeln aufgebaut sind, lässt auch die Kontrolle nicht lange auf sich warten. Als hätten die Albaner nicht lange genug in einem Überwachungsstaat gelebt, ist es nach wie vor (oder vielleicht auch erst wieder) absolut legitim, wenn zum Beispiel eine Schuldirektorin Videokameras in ihren Schulzimmern installieren lässt, um dann den ordnungsgemässen Schulbetrieb bequem in ihrem Direktorensessel sitzend auf dem Bildschirm überwachen zu können. Und das Ganze wird dann noch mit Stolz als technische Errungenschaft und Fortschritt präsentiert. Na ja, in der Schweiz würde keine einzige Lehrkraft in einem solchen Umfeld arbeiten und auch sämtliche Schüler und Schülerinnen – Eltern inklusive – würden Sturm laufen. Ganze geschweige von unserem Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten, dem ob solchen Praktiken ein akuter Herzstillstand drohen würde. Hier werden solche Kontrollen durch Vorgesetzte oder Autoritäten in der Regel aber (noch) regungslos akzeptiert oder sogar als normal empfangen.
Hierarchie, Regeln und Gehorsam scheinen hier also wichtig zu sein. Wirft man dann aber einen Blick auf das Baurecht, den Verkehr oder das Arbeitsrecht, dann scheinen Regeln und deren Einhaltung völlig inexistent zu sein. Ohne jegliche Bewilligungen, ohne Zonenkonzept und oft auch ohne rechtlich gültigen Anspruch auf den Boden wird nach Belieben gebaut. Im Verkehr sind Weitsicht, Aufmerksamkeit, Geduld und Toleranz die viel besseren Ratgeber als ein Gesetz zur Vortrittsregelung (auch wenn es das auf dem Papier sicher gibt). Und als Arbeitnehmer schliesslich tut man halt einfach gut daran, den Chef und seine Position uneingeschränkt zu akzeptieren. Andernfalls ist man unter Umständen seinen Job relativ rasch los, denn Arbeitsverträge existieren häufig keine und auf der Strasse wartet bereits mindestens ein Dutzend motivierte Nachfolger für den Job.
Albanien ist in einigen Bereichen wirklich ein Land voller Gegensätze und Extreme. Hier Struktur und Ordnung und da gleich nebenan, Chaos und Willkür. Ich will diese Beobachtung persönlich gar nicht werten. Und ausserdem gibt es auch ganz viele Bereiche, die hier absolut positiv und normal funktionieren, wenn man als Norm die Schweiz zum Vergleich heranzieht. Bekanntlich ist ja alles eine Frage des Referenzpunkts.
Nein, eigentlich habe ich ja einfach nach einer Einleitung für eine andere Geschichte gesucht. Eine, die letztlich auch mit Regeln und Gesetzen zu tun hat und eine, die ich in dieser Form hier nicht erwartet hätte. Doch schön der Reihe nach. Neulich hat mich eine Mail eines Freundes aus der Schweiz erreicht (Danke Jürg). Den Worten "Ich habe Erstaunliches gelesen" war ein Zeitungsartikel aus der Schweizer Presse angefügt, in welchem von der gesamten Dorfbevölkerung eines albanischen Dorfes berichtet wird, die nach der Arbeit auf Cannabisfelder allesamt in ärztliche Hilfe gebracht werden mussten. Was für eine Geschichte aus der Rubrik Gosse, habe ich mir gedacht. Klar ist das Kiffen hier ab und zu ein Thema, vor allem bei Studenten. Aber noch nie hätte ich jemanden öffentlich dabei beobachtet, geschweige denn von verkaufswilligen Typen angesprochen worden, wie es beim Gang durch einen Bahnhof in der Schweiz Alltag ist.
Natürlich habe ich meine albanischen Arbeitskollegen (und die sind praktisch allesamt ü50) gleich mit dem Zeitungsartikel konfrontiert. Eigentlich wollte ich etwas provozieren, ein wenig an den Strukturen rütteln. Zurück kam überraschenderweise nur Zustimmung, herzliche Lacher und die ungläubige Blicke, weil ich diese Story und deren Hintergründe noch nicht kannte. Freundlich klärte man mich in der Folge über diese ominöse Ortschaft Lazarat auf.
Lazarat ist ein kleines Dorf im Süden von Albanien. Deren Dorfbewohner hatten nach dem Zerfall der kommunistischen Diktatur die Einführung der freien Marktwirtschaft auf ihre eigene Art interpretiert und den Anbau von Hanf als Businessmodell gewählt. Und ganz offenbar war die Businessidee gut, der Markt (wohl eher im Ausland) vorhanden und die Geschäfte florierten. Die Zuwanderung an Arbeitskräften nahm zu und die Produktion wurde gesteigert. Doch weil es auch hier Gesetzte gibt, entsandte die Regierung eines Tages ihre Ordnungshüter, um wieder Zucht und Ordnung herzustellen. Doch die Dorfbewohner hatten bereits vorgesorgt und mit dem neu erlangten Reichtum ihre eigenen Ordnungshüter angestellt. Unverrichteter Dinge zog die Polizei also von Dannen. Auch der Versuch der italienischen Polizei, die Grösse der Anbaufläche mit einem Helikopter zu erkunden, musste aufgrund des Beschusses abgebrochen werden. Lazarat wurde zum Politikum, aber seit Jahren ist es keiner Regierung gelungen, das inzwischen quasi autonome Dorf zu bändigen. Die Polizei traut sich bis heute nicht hin. Wer etwas im Internet recherchiert, wird auch einige Stories dazu finden. Besonders witzig ist die auf youtube filmisch festgehaltene Fahrt zweier durchgeknallter Holländer mit lokal gekauften Mopeds nach Lazarat. Ungläubig geben sie zu Protokoll, dass sogar die örtliche Schule neben einem Hanffeld stehe. Ich verzichte auf die Verlinkung dieser Beiträge, denn ich will schliesslich mit meinem Blog nicht plötzlich der Zensur zum Opfer fallen. Auf einen Link will ich aber nicht verzichten, denn selbst das Schweizer Radio hat im vergangenen August über Lazarat berichtet: Bergdorf als Drogenhochburg in Südalbanien.
Grundsätzlich ist die Geschichte ja weder lustig, noch gesund. Trotzdem ist sie irgendwie frisch und witzig, weil sie eben diese Gegensätze deutlich aufzeigt, die Albanien so spannend und irgendwie auch sympathisch machen. Angesprochen auf das Dorf Lazarat bemerkt man auch bei vielen Albanern eine gewisse Sympathie. Nicht wegen dem Cannabis, sondern vielmehr wegen der Unverfrorenheit dieses Dorfes gegenüber Hierarchien, Regeln und Gesetzen und der Unfähigkeit der Autoritäten, diese Regeln und Gesetze durchzusetzen.
Ach ja, do not panic! Lazarat steht nicht auf unserer Wunschliste von Ausflugszielen in Albanien :-)
Autor:
Stephan
Destination:
albanien
Dienstag, 12. November 2013
spannende doku ...
Dank einem Hinweis eines Arbeitskollegen hier bin ich auf einen tollen Dokumentarfilm über Albanien gestossen. Danke Tobi! SRF Virus sind die Macher dieses unterhaltsamen und erfrischenden Films, der einen spannenden Blick aus Schweizer Sicht auf Albanien und vor allem die Hauptstadt Tirana wirft. Der mit schönen Bildern untermalte Clip beleuchtet die jüngere Geschichte, thematisiert die gängigsten Klischees, spricht von Träumen und der Hoffnung der Jugendlichen aber zeigt vor allem auch, wo der Schuh in Albanien noch immer drückt. Aus meiner Sicht und persönlichen Erfahrung versteht es der Film ausgezeichnet, die ach so omnipräsenten Gegensätze, die kulturellen Unterschiede (trotz geografischer Nähe) und die alltägliche Skurrilität auf den Punkt zu bringen, ohne dabei voreilige Schlüsse zu ziehen. Wer sich dafür interessiert, in welchem Umfeld wir im Moment Leben und Arbeiten, dem können wir die 30 Minuten Unterhaltung wärmstens empfehlen. Auch wer schon einmal hier war, wir sicher das eine oder andere Déjà-vu erleben und sich an einigen Stellen das Schmunzeln nicht verkneifen können. Mit freundlicher Empfehlung an Christian, Dominik, Deiv, Mami, Trix und Beat :-)
Übrigens:
http://youtu.be/xoF-x1itGCY
Übrigens:
- Die Bilder zwischen Minute 18.00 und 20.55 wurden in Durrës aufgenommen, der Stadt, die im Moment unser Zuhause ist.
- Einen Ziegenkopf haben wird bis jetzt noch nicht gegessen, denn das kulinarische Angebot hier sieht durchaus auch andere Speisen vor und die albanische Küche schmeckt übrigens ausgezeichnet.
- Im Ausgang sind auch wir ab und zu in der Radio Bar anzutreffen (im Film ab Minute 24.20), gell Tobi :-)
http://youtu.be/xoF-x1itGCY
Autor:
Stephan
Destination:
albanien
Sonntag, 10. November 2013
von strom- und wasserrechnungen ...
Die Wohnung hier in Durrës wird uns vom Arbeitgeber von Stephan zur Verfügung gestellt, weshalb wir glücklicherweise nichts mit der Miete zu tun haben. Wie in der Schweiz fallen aber auch hier Nebenkosten für Strom, Wasser und den Gebäudeunterhalt an, welche es monatlich zu bezahlen gilt. Da die staatliche albanische Post die Briefpost nicht wie bei uns in die einzelnen Haushalte verteilt, schickt die tschechische Stromfirma, die städtische Wasserversorgung und die Gebäudeverwaltung ihre eigenen Boten los, um die monatlichen Rechnungen zu den Kunden zur bringen. Uns ist es bis dato absolut schleierhaft, wie diese Boten mit den Rechnungen (die übrigens allesamt auf den Namen des Wohnungseigentümers ausgestellt sind) unsere Türe finden, denn in unserem Hochhaus gibt es weder Briefkästen, noch sind die Türen nummeriert oder namentlich beschriftet. Aber irgendwie scheint es zu funktionieren, denn gegen Monatsende werden einem jeweils die Rechnungen vor die Haustüre gelegt. Ok, es ist auch schon vorgekommen, dass ein Bote die Rechnungen für das ganze Haus einfach im Lift deponiert hat und sich dann jeder Mieter bei der nächsten Liftfahrt seine Rechnung aus dem Stapel geholt hat – vorausgesetzt er hat den Lift benutzt, in welchem die Rechnungen gelegen haben. Denn der Architekt des Hauses hat immerhin daran gedacht, zwei Lifte einzubauen. Mit dieser Strategie wird sichergestellt, dass sicher immer ein Lift funktioniert, wie uns der Verwalter stolz erläutert hat.
Wenn man dann also im Besitze seiner Rechnungen ist, geht es darum, diese zu begleichen. Grundsätzlich gäbe es offenbar die Möglichkeit der Banküberweisung, aber wiederum unser Verwalter rät aus Erfahrung davon ab, weil ihm die Bank schon mehr als einmal zwar die Überweisung belastet hat, dass Geld dem Empfänger aber nie gutgeschrieben wurde. Auch eine Einzahlung per Post scheint hier nicht üblich oder gar nicht möglich zu sein, denn die Rechnungen enthalten keinen Einzahlungsschein. Es ist also besser, wenn man die Rechnungen direkt und bar in den eigens dafür vorgesehenen Büros der einzelnen Firmen begleicht. Als Beleg erhält man dann einen Stempel in das sogenannte Librezë der jeweiligen Firma, einem kleinen Büchlein ähnlich unserem gelben Postbüchlein von anno dazumal.
Konkret bedeutet das für mich als Kunden, dass ich morgen Nachmittag alle meine Rechnungen und die Librezë packe und dann zuerst zum Büro der CEZ Shpërndarje Sh.a gehe, um dort rund 3000 Lekë oder 27 Franken für den Stromverbrauch im Oktober zu bezahlen. Glücklicherweise ist dieses Büro gleich in der Nähe. Danach geht es weiter ins Büro der Ujësjellës Kanalizime Sh.a Durrës, um dort weitere 1200 Lekë (11 Franken) für das Wasser und die Kanalisation zu bezahlen. Wo das Büro der städtischen Wasserversorgung ist, weiss ich im Moment noch nicht, aber ich werde mich durchfragen. Und bei Verständigungsproblemen kann ich ja immer noch mein Librezë der UKD zeigen und man wird mich sofort und ohne weitere Worte verstehen.
Ebenfalls unklar ist mir bis heute, wo ich meine 1000 Lekë für den allgemeinen Unterhalt (Putzen der Treppenhäuser, Reparaturen des Lifts etc.) am Gebäude begleichen kann, damit ich ordnungsgemäss einen Stempel und eine Unterschrift in mein Librezë Administrim Pallati bekomme. Ich werde wohl einfach den Verwalter anrufen und ich bin sicher, dass er neben der richtigen Antwort auch gleich noch Zeit für einen Kaffee irgend in einer Bar hat.
Sofern mir dann vor dem Feierabend der Banken noch genügend Zeit bleibt, werde ich noch die Rechnung für den privaten Gebrauch meines Geschäftswagens begleichen. Bei einem unerwartet hohen Benzinpreis von rund 1.60 bis 1.70 Franken pro Liter ist es nachvollziehbar, dass ich für jeden privat gefahrenen Kilometer 40 Lekë (rund 35 Rappen) bezahle, wobei das Benzin natürlich inbegriffen ist. Für das Benzin erhalte ich übrigens monatlich Coupons, welche ich dann an gewissen Tankstellen einlösen kann. Vielleicht weil der Prozess der Verrechnung des Privatgebrauchs von Geschäftsfahrzeugen bei meinem Arbeitgeber von Schweizern geprägt wurde, kann genau diese Rechnung atypisch nicht in bar beglichen werden und es gibt auch kein Librezë. Dafür muss ich nämlich in eine Filiale der Intesa Sanpaolo Bank Albania, um den geschuldeten Betrag auf das entsprechende Konto dieser Bank einzuzahlen.
Für Unterhaltung und Bewegung ist morgen nach der Arbeit also garantiert gesorgt. Bei aller Ironie in den Zeilen oben sollte man aber nicht vergessen, dass die genannten Nebenkosten bei einem durchschnittlichen Einkommen von knapp 300 Franken pro Monat für viele albanische Familien eine immense Belastung darstellen. Dem gegenüber scheint die beanspruchte Zeit zur Abwicklung dieses monatlich wiederkehrenden bürokratischen Marathons fast bedeutungslos zu sein.
Wenn man dann also im Besitze seiner Rechnungen ist, geht es darum, diese zu begleichen. Grundsätzlich gäbe es offenbar die Möglichkeit der Banküberweisung, aber wiederum unser Verwalter rät aus Erfahrung davon ab, weil ihm die Bank schon mehr als einmal zwar die Überweisung belastet hat, dass Geld dem Empfänger aber nie gutgeschrieben wurde. Auch eine Einzahlung per Post scheint hier nicht üblich oder gar nicht möglich zu sein, denn die Rechnungen enthalten keinen Einzahlungsschein. Es ist also besser, wenn man die Rechnungen direkt und bar in den eigens dafür vorgesehenen Büros der einzelnen Firmen begleicht. Als Beleg erhält man dann einen Stempel in das sogenannte Librezë der jeweiligen Firma, einem kleinen Büchlein ähnlich unserem gelben Postbüchlein von anno dazumal.
Konkret bedeutet das für mich als Kunden, dass ich morgen Nachmittag alle meine Rechnungen und die Librezë packe und dann zuerst zum Büro der CEZ Shpërndarje Sh.a gehe, um dort rund 3000 Lekë oder 27 Franken für den Stromverbrauch im Oktober zu bezahlen. Glücklicherweise ist dieses Büro gleich in der Nähe. Danach geht es weiter ins Büro der Ujësjellës Kanalizime Sh.a Durrës, um dort weitere 1200 Lekë (11 Franken) für das Wasser und die Kanalisation zu bezahlen. Wo das Büro der städtischen Wasserversorgung ist, weiss ich im Moment noch nicht, aber ich werde mich durchfragen. Und bei Verständigungsproblemen kann ich ja immer noch mein Librezë der UKD zeigen und man wird mich sofort und ohne weitere Worte verstehen.
Ebenfalls unklar ist mir bis heute, wo ich meine 1000 Lekë für den allgemeinen Unterhalt (Putzen der Treppenhäuser, Reparaturen des Lifts etc.) am Gebäude begleichen kann, damit ich ordnungsgemäss einen Stempel und eine Unterschrift in mein Librezë Administrim Pallati bekomme. Ich werde wohl einfach den Verwalter anrufen und ich bin sicher, dass er neben der richtigen Antwort auch gleich noch Zeit für einen Kaffee irgend in einer Bar hat.
Sofern mir dann vor dem Feierabend der Banken noch genügend Zeit bleibt, werde ich noch die Rechnung für den privaten Gebrauch meines Geschäftswagens begleichen. Bei einem unerwartet hohen Benzinpreis von rund 1.60 bis 1.70 Franken pro Liter ist es nachvollziehbar, dass ich für jeden privat gefahrenen Kilometer 40 Lekë (rund 35 Rappen) bezahle, wobei das Benzin natürlich inbegriffen ist. Für das Benzin erhalte ich übrigens monatlich Coupons, welche ich dann an gewissen Tankstellen einlösen kann. Vielleicht weil der Prozess der Verrechnung des Privatgebrauchs von Geschäftsfahrzeugen bei meinem Arbeitgeber von Schweizern geprägt wurde, kann genau diese Rechnung atypisch nicht in bar beglichen werden und es gibt auch kein Librezë. Dafür muss ich nämlich in eine Filiale der Intesa Sanpaolo Bank Albania, um den geschuldeten Betrag auf das entsprechende Konto dieser Bank einzuzahlen.
Für Unterhaltung und Bewegung ist morgen nach der Arbeit also garantiert gesorgt. Bei aller Ironie in den Zeilen oben sollte man aber nicht vergessen, dass die genannten Nebenkosten bei einem durchschnittlichen Einkommen von knapp 300 Franken pro Monat für viele albanische Familien eine immense Belastung darstellen. Dem gegenüber scheint die beanspruchte Zeit zur Abwicklung dieses monatlich wiederkehrenden bürokratischen Marathons fast bedeutungslos zu sein.
Autor:
Stephan
Destination:
albanien
familienausflug nach berat ...
Letzte Woche hatten wir ganz besonderen Besuch aus der Schweiz. Silvia, die Mutter von Stephan, seine Schwester Beatrice und ihr Partner Beat haben sich auf das "Abenteuer" eingelassen und uns hier in Albanien besucht. Während Stephan seiner täglichen (nach Schweizer Massstäben eher halbtäglichen) Arbeit nachgegangen ist, hat sich vor allem Veronika ins Zeug gelegt, um den Dreien möglichst viele Facetten und Eindrücke unseres Gastlandes zu zeigen. Wir durften vergnügte, spannende und auch skurrile Momente zusammen erleben (der Hardcore-Missionar mit der ZH Nummer am Roller lässt grüssen). Für uns war es aber auch sehr interessant zu beobachten, wie die Albanien-Neulinge die vielen Unterschiede und die Eindrücke aufnehmen würden, denn für uns ist Vieles bereits zur Normalität geworden. In gewissen Bereichen wie dem Verkehr, dem Lärm oder der Kurzfristigkeit und Planungsunsicherheit im Arbeitsalltag ist das auch absolut wünschenswert und in Ordnung, denn sonst würde man sich auf die Dauer sehr aufreiben. In anderen Bereichen wie dem Klima, der Hilfsbereitschaft, der Herzlichkeit und der Gastfreundschaft der Leute oder dem vorzüglichen Essen ist es eher schade, wenn solche tolle Aspekte einfach zur Normalität verkommen. Wie dem auch sei, rückblickend dürfen wir festhalten, dass sich unsere Gäste mit grosser Offenheit und Neugier auf die Woche eingelassen haben. Mami, Trix und Beat: Ihr ward toll und wir haben die Woche mit euch sehr genossen. Danke!
Einer der vielen Höhepunkte war der Ausflug nach Berat. Zur Feier des Tages, Beat hatte Geburtstag, hat auch Stephan frei gemacht und mit einem angeheuertem Chauffeur und einem komfortablen Minibus haben wir die rund 90 Kilometer Richtung Süden unter die Räder genommen. Und das kann dann schon etwas dauern, den auf rund der Hälfte der Strecke von Lushnjë bis Berat ist die Strasse in einem sehr schlechten Zustand. Alle paar hundert Meter klaffen riesige Löcher im Asphalt. Die (albanische) Begründung ist auch denkbar einfach, denn Berat gilt als Hochburg der Sozialisten und deshalb haben die Demokraten, welche das Land von 2005 bis Mitte 2013 regiert haben, auch keinerlei Anlass gesehen, nur einen einzigen Franken (oder eben Lekë) in den Unterhalt dieser Strasse zu investieren. Unvorstellbar würde man meinen, aber ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an den jahrelangen Baustopp der Autobahn auf der Berner Seite, nachdem die Abtrünnigen im Jura 1978 einen eigenen Kanton gegründet haben. Einmal mehr eine interessante Parallele. Vom Jura aber jetzt zurück auf die Strasse nach Berat. Nach dem Wahlsieg der Sozialisten in diesem Sommer wird zwar jetzt an der Strasse gearbeitet, aber bis zur Fertigstellung werden sicher noch Monate ins Land ziehen und bis dahin sind die vielen Baustellen eher noch zusätzliche Hindernisse.
Nach rund 2 Stunden abwechslungsreicher Fahrt hatten wir dann das erste Etappenziel erreicht: Weinkellerei Çobo. Ja, in Albanien gibt es nämlich auch eine alte Tradition für Weinbau und die Albaner machen auch richtig guten Wein. Und genau davon haben wir uns bei einer kurzen Führung und einer eher längeren Degustation überzeugen lassen. Es ist nicht so, dass uns gerade jeder vorgestellte Tropfen aus den Socken gehauen hätte, aber einem durchschnittlichen Roten aus dem Wallis vermögen die Weine hier durchaus Paroli zu bieten. Und irgendwie haben auch albanische Weine diese magische Wirkung, denn im Showroom der Weinkellerei kam langsam auch etwas Geburtstagsstimmung auf. Und die verbleibende halbe Stunde Fahrt nach Berat verging auch wie im Fluge.
Berat ist eine der ältesten Städte Albaniens und ist auf der Liste der UNESCO-Weltkulturerben. Im Zentrum des Interesses liegt die Kalaja e Beratit, die Burg von Berat. Neben Kruja (vgl. Beitrag vom 28.10.2013) ist sie die einzige mittelalterliche Burganlage, die heute noch bewohnt wird. Innerhalb der Burgmauern leben nach wie vor rund 350 Familien. Die malerischen Steinhäuser mit ihren dicken Mauern und den hübschen kleinen Gärten scheinen sich seit Jahrhunderten nicht verändert zu haben. Exklusiv ist aber auch die tolle Aussicht vom Burghügel, die man bei schönem Wetter geniessen kann. Und einmal mehr hatten wir mit rund 25° Grad, Sonnenschein und strahlend blauem Himmel das Wetterglück auf unserer Seite. Und das im November! Die Aussicht auf die Stadt Berat, den Fluss Osum und die Gebirgsketten des Tomorri im Osten und des Shpirag im Westen waren einfach atemberaubend. Eine würdige Geburtstagskulisse für Beat!















Einer der vielen Höhepunkte war der Ausflug nach Berat. Zur Feier des Tages, Beat hatte Geburtstag, hat auch Stephan frei gemacht und mit einem angeheuertem Chauffeur und einem komfortablen Minibus haben wir die rund 90 Kilometer Richtung Süden unter die Räder genommen. Und das kann dann schon etwas dauern, den auf rund der Hälfte der Strecke von Lushnjë bis Berat ist die Strasse in einem sehr schlechten Zustand. Alle paar hundert Meter klaffen riesige Löcher im Asphalt. Die (albanische) Begründung ist auch denkbar einfach, denn Berat gilt als Hochburg der Sozialisten und deshalb haben die Demokraten, welche das Land von 2005 bis Mitte 2013 regiert haben, auch keinerlei Anlass gesehen, nur einen einzigen Franken (oder eben Lekë) in den Unterhalt dieser Strasse zu investieren. Unvorstellbar würde man meinen, aber ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an den jahrelangen Baustopp der Autobahn auf der Berner Seite, nachdem die Abtrünnigen im Jura 1978 einen eigenen Kanton gegründet haben. Einmal mehr eine interessante Parallele. Vom Jura aber jetzt zurück auf die Strasse nach Berat. Nach dem Wahlsieg der Sozialisten in diesem Sommer wird zwar jetzt an der Strasse gearbeitet, aber bis zur Fertigstellung werden sicher noch Monate ins Land ziehen und bis dahin sind die vielen Baustellen eher noch zusätzliche Hindernisse.
Nach rund 2 Stunden abwechslungsreicher Fahrt hatten wir dann das erste Etappenziel erreicht: Weinkellerei Çobo. Ja, in Albanien gibt es nämlich auch eine alte Tradition für Weinbau und die Albaner machen auch richtig guten Wein. Und genau davon haben wir uns bei einer kurzen Führung und einer eher längeren Degustation überzeugen lassen. Es ist nicht so, dass uns gerade jeder vorgestellte Tropfen aus den Socken gehauen hätte, aber einem durchschnittlichen Roten aus dem Wallis vermögen die Weine hier durchaus Paroli zu bieten. Und irgendwie haben auch albanische Weine diese magische Wirkung, denn im Showroom der Weinkellerei kam langsam auch etwas Geburtstagsstimmung auf. Und die verbleibende halbe Stunde Fahrt nach Berat verging auch wie im Fluge.
Berat ist eine der ältesten Städte Albaniens und ist auf der Liste der UNESCO-Weltkulturerben. Im Zentrum des Interesses liegt die Kalaja e Beratit, die Burg von Berat. Neben Kruja (vgl. Beitrag vom 28.10.2013) ist sie die einzige mittelalterliche Burganlage, die heute noch bewohnt wird. Innerhalb der Burgmauern leben nach wie vor rund 350 Familien. Die malerischen Steinhäuser mit ihren dicken Mauern und den hübschen kleinen Gärten scheinen sich seit Jahrhunderten nicht verändert zu haben. Exklusiv ist aber auch die tolle Aussicht vom Burghügel, die man bei schönem Wetter geniessen kann. Und einmal mehr hatten wir mit rund 25° Grad, Sonnenschein und strahlend blauem Himmel das Wetterglück auf unserer Seite. Und das im November! Die Aussicht auf die Stadt Berat, den Fluss Osum und die Gebirgsketten des Tomorri im Osten und des Shpirag im Westen waren einfach atemberaubend. Eine würdige Geburtstagskulisse für Beat!
Autor:
Stephan
Destination:
albanien
Samstag, 2. November 2013
quiz am samstag ...
Was ist hier falsch?
Über den Hintergrund solcher selbstgefertigten Nummernschilder habe ich ja an anderer Stelle bereits berichtet. Hier handelt es sich aber um ein besonders originelles Exemplar...
Über den Hintergrund solcher selbstgefertigten Nummernschilder habe ich ja an anderer Stelle bereits berichtet. Hier handelt es sich aber um ein besonders originelles Exemplar...
Autor:
Stephan
Destination:
albanien
Montag, 28. Oktober 2013
unser besuch in kruja ...
Man sagt, wer Albanien bereist, der muss unbedingt auch Kruja resp. Krujë besuchen, denn dort gibt es das absolute Nationalheiligtum der Albaner zu bestaunen. Und genau das haben wir nun am vergangenen Sonntag endlich auch getan. Zuerst erlaube ich mir aber noch eine kurze Bemerkung zur Schreibweise der albanischen Ortsnamen, denn diese spiegelt eine interessante grammatikalische Regel wieder, wie wir sie aus dem Deutschen nicht kennen und wie wir sie bis jetzt noch in keiner Sprache angetroffen habe.
Im Deutschen steht vor einem Substantiv (Hauptwort oder Dingwort) jeweils ein Artikel, wobei wir zwischen unbestimmtem Artikel (z.B. ein Tag) und bestimmtem Artikel (der Tag) unterscheiden. Diese Unterscheidung gibt es auch im Albanischen. Die bestimmte Form wir hier allerdings gebildet, indem dem Substantiv eine, vom Geschlecht abhängige Endung angehängt wird. So heisst also zum Beispiel ein Tag një ditë und der Tag dita. Irgendwie wird diese Regeln dann auch auf Eigen- und Ortsnamen angewendet, wobei für männliche Ortsnamen in der Regel die unbestimmte Form und für weibliche Ortsnamen die determinierte bestimmte Form verwendet wird. Da soll einer noch draus kommen! Egal, das ist der Grund, weshalb man grundsätzlich zwei Formen von Ortsnamen antrifft. Tirana kann auch Tiranë sein oder aus Durrës wir ab und zu auch Durrësi. Nebenbei bemerkt ist das auch der Grund, weshalb Stephan hier der Stephani ist :-)
Nun aber zurück zu Krujë. Kruja ist eine Stadt mit rund 16'000 Einwohnern und sie liegt rund 20 Kilometer entfernt von Tirana am Abhang der Skanderbeg-Berge hoch über der Küstenebene. Aus der Festung von Kruja organisierte der albanische Nationalheld Skanderbeg über Jahrzehnte erfolgreich den Widerstand gegen die Türken. Im Vergleich zu unserem Wilhelm Tell nahm dann die Geschichte eine etwas andere Wendung, denn nach dem Tod von Skanderbeg besetzten die Türken das gesamte Gebiet von Albanien und beherrschten es über 400 Jahre. Und genau für diesen Skanderbeg wurde in den Ruinen der ehemaligen Festung von Kruja ein imposantes Museum gebaut, welches wir natürlich besuchen wollten. Wenn wir schon bei der Grammatik sind: der Konjunktiv in meinem Satz lässt erahnen, dass es bei einem Versuch geblieben ist. Doch eins nach dem anderen...
Die Fahrt mit unserem Auto nach Kruja gestaltete sich ausser einem kleinen Umweg eigentlich ganz gut und abwechslungsreich. Spannend sind vor allem die letzten Kilometer, auf welchen sich die Strasse wie auf einen Pass hochwindet. Nur die Qualität der Strasse ist nicht ganz vergleichbar und wie immer gilt es achtsam zu sein, damit man die Löcher und fehlenden Senklochdeckel frühzeitig erkennt oder bei unerwartetem Gegenverkehr rechtzeitig zum Stillstand kommt. Nach einigen Kilometern erreicht man dann eine Art Hochplateau und uns wurde ein erster, überraschender Ausblick auf die Stadt gewährt. Direkt vor einer fantastischen Steilwand liegt eine Stadt, in welcher sich traditionelle alte Steinhäuser, üble Plattenbauten aus der kommunistischen Zeit und fast noch üblere Hochhäuser aus der jüngsten Vergangenheit ohne sichtbares Konzept aneinanderreihen. Irgendwie eine Mischung aus Bettmeralp, Crans Montana und Avoriaz. Nur ohne Skilifte und Touristen in Pelzmänteln.
Nachdem wir unser Auto direkt neben einem auf dem Trottoir weidenden Kalb parkiert hatten, gönnten wir uns auf einer Terrasse mit herrlicher Aussicht zuerst einen Kaffee. Auch als der Muezzin zum Mittagsgebet rief (eine Konsequenz aus 400 Jahren türkischer Besetzung, von der Mehrheit der albanischen Bevölkerung aber weitgehend ignoriert), schöpften wir noch keinerlei Verdacht auf den zeitlichen Irrtum, der uns noch erwarten sollte. Vom Koffein gestärkt, kämpften wir uns dann durch die historische und sehr schöne Basarstrasse am Fusse des Burghügels. Neben viel Kitsch gäbe es hier wirklich auch viele antike und tolle Sachen zu kaufen. Da wir aber bereits bei unserem Hinflug mach Albanien Übergewichtzuschlag bezahlt hatten, waren die alten Radios, Instrumente, Bücher oder die hübschen Holzschatullen in diesem Moment für uns kein Thema.
Endlich waren wir nun also in der Festung angekommen, als wir am Eingang des Museums das Schild erblickten, wonach das Museum um 13.00 Uhr schliessen würde, um dann nach der Mittagspause um 15.00 Uhr erneut zu öffnen. Die Uhr von Veronika zeigte in diesem Moment 12.55 Uhr und folgerichtig entschieden wir uns, in einem der nahe gelegenen Restaurants etwas zu essen. Zuerst staunten wir schon ein wenig, dass wir die einzigen Gäste waren. An der Qualität des Restaurants konnte es nicht gelegen haben, denn das Essen war einmal mehr vorzüglich. Mit der Zeit gesellten sich dann auch noch weitere Familien ins Restaurant und ob dem Ramba-Zamba der vielen lauten Kinder waren wir nicht unglücklich, endlich die Rechnung zu begleichen. Noch ein kurzer Blick auf das iPhone und oha! Dieses zeigte 13.10 Uhr an! Nun fiel es uns plötzlich wie Schuppen von den Augen. Alles klar. In der vergangenen Nacht wurde auch in Albanien auf Winterzeit umgestellt, was das iPhone im Vergleich zu uns und zur mechanischen Uhr von Veronika natürlich automatisch bemerkt hatte.
Nun gut. Wir mochten nicht noch einmal zwei Stunden warten und so begaben wir uns, was den Museumsbesuch anbelangte, unverrichteter Dinge auf den Heimweg nach Durrës. Auch ohne Besuch im Skanderbeg-Museum war es ein absolut spannender Tag voller neuer Eindrücke. Wir sind sicher, dass wir diese spezielle, irgendwie skurrile aber äusserst spannende Stadt wieder einmal besuchen werden und mit einem etwas besseren persönlichen Zeitmanagement, wird dann sicher auch ein Besuch im Museum möglich sein.
Autor:
Stephan
Destination:
albanien
Samstag, 26. Oktober 2013
beim einkaufen ...
Das durchschnittliche Jahreseinkommen in Albanien beträgt rund 3'500 Franken. Damit belegt Albanien auf der Rangliste des Internationalen Währungsfonds Rang 104, noch hinter Ländern wie Angola, Botswana, Algerien oder Peru. Um die albanische Volkswirtschaft steht es definitiv nicht zum Besten, auch wenn die inzwischen abgewählte alte Regierung in den vergangenen Jahren immer wieder stolz betont hat, dass Albanien mit seiner Wachstumsrate von 3 bis 5 Prozent nach Deutschland die Nummer 2 in Europe sei. Fünf Prozent von Nichts ist halt immer noch nicht viel und so lebt ein Grossteil der Bevölkerung in Albanien immer noch unter ganz schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen. Auch wenn man das als aussenstehender Beobachter vor allem in städtischer Umgebung zuerst gar nicht erkennt.
Unter diesem Gesichtspunkt ist es eigentlich nachvollziehbar, dass hier das Preisniveau für unsere Verhältnisse entsprechend tief ist. Und trotzdem staunen wir immer wieder, wenn uns im Supermarkt die Rechnung für einen prall gefüllten Einkaufskorb präsentiert wird. Diese Preise sind für uns natürlich sehr angenehm und schön. Betrachtet man aber die Relation mit dem durchschnittlichen Einkommen in der Schweiz, dann ist dieses rund 20 Mal höher als hier und die für uns paradiesischen Preise sind dann doch nicht 20 Mal tiefer.
Kleines Beispiel gefällig? 100 albanische Lekë entsprechen im Moment knapp 90 Rappen.
- 12 Qofte (Hackfleischrollen): 100 Lekë
- 500 g Cous Cous : 170 Lekë
- 250 g Kaffee: 230 Lekë
- 2 l Mineralwasser: 50 Lekë
- 4 Flaschen lokales Bier: 260 Lekë
- 1 l importierter Orangensaft: 209 Lekë
- 0.5 l Raki: 270 Lekë
Total: 1289 Lekë oder rund 11 Franken
Selbstverständlich steht auf unserer Einkaufsliste nicht immer nur Bier und Schnaps. Und Brot, Gemüse, Früchte und Milchprodukte holen wir beim Händler an der Ecke und dort gibt es halt in der Regel keinen Kassenbon ;-)
Unter diesem Gesichtspunkt ist es eigentlich nachvollziehbar, dass hier das Preisniveau für unsere Verhältnisse entsprechend tief ist. Und trotzdem staunen wir immer wieder, wenn uns im Supermarkt die Rechnung für einen prall gefüllten Einkaufskorb präsentiert wird. Diese Preise sind für uns natürlich sehr angenehm und schön. Betrachtet man aber die Relation mit dem durchschnittlichen Einkommen in der Schweiz, dann ist dieses rund 20 Mal höher als hier und die für uns paradiesischen Preise sind dann doch nicht 20 Mal tiefer.
Kleines Beispiel gefällig? 100 albanische Lekë entsprechen im Moment knapp 90 Rappen.
- 12 Qofte (Hackfleischrollen): 100 Lekë
- 500 g Cous Cous : 170 Lekë
- 250 g Kaffee: 230 Lekë
- 2 l Mineralwasser: 50 Lekë
- 4 Flaschen lokales Bier: 260 Lekë
- 1 l importierter Orangensaft: 209 Lekë
- 0.5 l Raki: 270 Lekë
Total: 1289 Lekë oder rund 11 Franken
Selbstverständlich steht auf unserer Einkaufsliste nicht immer nur Bier und Schnaps. Und Brot, Gemüse, Früchte und Milchprodukte holen wir beim Händler an der Ecke und dort gibt es halt in der Regel keinen Kassenbon ;-)
Autor:
Stephan
Destination:
albanien
interessante parallelen ...
Bevor ich Albanien das erste Mal besuchte, war ich davon überzeugt, dass das Schweizer Konzept des Reduits aus dem 2. Weltkrieg und die damit verbundene Verbunkerung der Schweiz, die ihr Ende erst weit nach dem Kalten Krieg fand, weltweit einmalig sein muss.
Dem ist aber ganz offensichtlich nicht so. Denn wer sich in Albanien umsieht, wird über kurz oder lang feststellen, dass das ganze Land mit kleinen pilzförmigen Bunkern übersät ist. Diese sind Zeitzeugen aus der düsteren Zeit der 40 Jahre andauernden Diktatur unter Enver Hoxha, welche letztendlich in der vollständigen Isolation des Landes geendet hatte. Nachdem Hoxha sich der Reihe nach mit Jugoslawien, mit Russland und schlussendlich auch mit dem letzten Verbündeten China verkracht hatte, war dessen Paranoia soweit fortgeschritten, dass er zwischen 1972 und seinem Tod im Jahre 1984 rund 750'000 Bunker bauen liess, um sich gegen allfällige Invasoren verteidigen zu können. Die Devise lautete, ein Bunker pro vier Bewohner, wobei die Albaner verpflichtet waren, den ihnen zugeteilten Bunker auch schön sauber zu halten. Wenigstens wurden bei uns für diese Aufgabe nur Soldaten aus dem eigens dafür vorgesehenen Festungswachtkorps bemüht. Wobei, waren da nicht auch all die privaten Zivilschutzkeller? Irgendwie interessante Parallelen. Der einzige Unterschied liegt wohl darin, dass der Bunkerbau in Albanien, wie so vieles andere auch, erst rund 40 Jahre später einsetzte.
Während die Schweiz heutzutage die teuer zu wartenden Festungen zunehmend eliminiert, privat verkauft oder für viel Geld zurückbaut (Mann oder besser Wehrmann denke hier an all die unbeliebten ASU aus dem WK), ist die Situation hier in Albanien anders, denn Geld ist grundsätzlich keines vorhanden. Die definitiv hässlichen Betonpilze, inzwischen zum Teil bunt bemalt, werden kurzerhand zu Ort für die Notdurft, als Stall für Hühner oder Schafe, als Materiallager und in einzelnen Fällen gar als Bar, Restaurant oder Verkaufsladen umgenutzt. Vielleicht wäre da ja noch die eine oder andere Businessidee für ausgediente Bunker in der Schweiz dabei.
Ich verweise selten auf einen Artikel im Internet. aber der folgende Artikel im Spiegel Online ist wirklich lesenswert und enthält wirklich irgendwie witzige, wenn auch etwas skurrile Fotos. Alle in Deckung
Autor:
Stephan
Destination:
albanien
Montag, 21. Oktober 2013
ein herrlicher sonntag ...
Nachdem wir in den letzten Beiträgen vor allem vom Müll und anderen unschönen Sachen berichtet haben, wird es höchste Zeit, einmal von den schönen Seiten Albaniens zu berichten. Denn solche gibt es nämlich zuhauf. Als wunderbares Beispiel eigenen sich dazu einige Bilder von gestern Sonntag. Wir haben den ganzen Nachmittag in einer idyllischen Bucht etwas abseits von Durrës verbracht. Die Aussicht auf das offene Meer war bei rund 24 Grand und Sonnenschein herrlich, zum kühlen Weisswein wurden Oliven. Käse und Fisch serviert, die ansässige Bäuerin führte zu Belustigung aller Anwesenden ihre Gänse spazieren und zum Abschluss gab es noch einen Sonnenuntergang wie aus dem Bilderbuch. Eigentlich nachvollziehbar, dass wir uns hier puddelwohl fühlen.

Autor:
Stephan
Destination:
albanien
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